Kein Deich - kein Land - kein Leben
"Kein Deich - kein Land - kein Leben", so brachte es der ostfriesische Deichrichter Brahms auf den Punkt.
Die furchtbaren Erfahrungen der Weihnachtsflut von 1717 führten ihn zu vielen Neuerungen bei diesem, nur in gemeinschaftlicher Anstrengung zu bewältigendem Werk.
Seit ungefähr dem Jahre 1000 sind Deichbauten an unserer Küste nachzuweisen. Immer wieder gab es dabei schwere Rückschläge, die mit großen Anstrengungen überwunden werden mussten. Über lange Jahrhunderte hinweg bauten die Menschen die Deiche nach den gleichen Methoden. Hunderte von Arbeitern mussten in Handarbeit oder mit Hilfe von Pferdekarren den schweren Kleiboden aus dem Anwuchs des Vordeichlandes zur Deichbaustelle transportieren. Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts wurden vermehrt Maschinen auf diesen Baustellen eingesetzt. Sie brachten mehr Leistung in kürzerer Zeit, nahmen aber auch vielen Menschen in diesem Bereich ihre Arbeit. Wesentliche Veränderungen in der Konstruktionstechnik der Deiche brachte die Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Man ging dazu über, die großen Deiche mit eingespültem Sandkern und einer zwei Meter starken Kleiabdeckung zu bauen. Gründe hierfür lagen in der Weiterentwicklung der Deichprofile. Man hatte erkannt, dass es von Vorteil war, wenn sich die Wellen an der Deichaußenseite in einem relativ langen Anstieg totlaufen konnten.
Untrennbar mit dem Deichbau ist die Geschichte des Sielbaus und damit auch die Geschichte der Sielhäfen verbunden.
Da das hinter dem Deich liegende Marschenland sehr feucht war, musste es entwässert werden. Gräben, die sogenannten Schlote und Tiefs, fassten das Wasser und brachten es in Richtung Wattenmeerküste. Dort wurden die neuentstandenen Deiche mit Entwässerungsbauwerken versehen, den sogenannten Sielen. Weil durch den Entwässerungsstrom eine natürliche Fahrrinne in das flache Wattengewässer gespült wurde, entstanden an vielen Sielbauwerken Orte mit kleinen oder auch größeren Häfen. Dies war für unsere Küste, an der es nahezu keine Naturhäfen gibt, ideal. Entlang der gesamten Nordseeküste, von den Niederlanden bis hin nach Dänemark, entstanden Sielhäfen. Es waren Häfen, die sowohl kleineren Transportschiffen als auch hochseegängigen Seglern einen Heimathafen boten.